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Verfasst am 01.07.2020 um 09:00 Uhr

Von der Rolle: Rollrasen - schöne Einöde    

Wenn es um das Verlegen von Rollrasen geht, dann hat man bisher von Sportanlagen, Vorgärten von Einfamilienhäusern und große Flächen vor öffentlichen Einrichtungen geredet. Neuerdings meinen auch Kleingärtner auf diesen Zug aufspringen zu können – und vergessen dabei völlig, dass selbst gärtnern angesagt ist. Außerdem wissen sie anscheinend nicht, was sie sich da in den Garten holen.

Giftige Produktion

Rollrasen wird in sogenannten „Rasenschulen“ hergestellt. Diese benutzen große Ackerflächen zur Produktion des grünen Luxusprodukts. Die Herstellung wird unter Einsatz von viel Dünger und Wasser innerhalb von einem Jahr durchgezogen. Darüber hinaus wird mit Herbiziden sichergestellt, dass am Ende eine perfekte Raseneinöde entsteht. Weitere Pestizide verhindern, dass sich bis zum „Verlegen“ keine Schimmelpilze usw. bilden.


Nicht zugelassene Pestizide

Wenn man Glück hat, erhält man ein Produkt, das mit Pflanzenschutzmitteln hergestellt wurde, die in Deutschland zugelassen sind. Damit man weiß, was man kauft, sollten die Hersteller sagen können, welche Spritzgifte verwendet wurden.

Im Jahr 2012 hatte Öko-Test gezeigt, dass in sechs von 15 getesteten Rollrasenprodukten chemische Mittel enthalten sind, die bei uns wegen ihrer „Unverträglichkeit“ für Mensch und Umwelt schon lange nicht mehr erlaubt sind, oder die noch nie eine Zulassung für die Verwendung auf Rasen hatten.


Wie haltbar sind die Gifte?
Die Testreihe hat damit indirekt auch gezeigt, dass am Ende noch chemische Mittel nachweisbar sind, die man sich alle mit in den Garten holt. Ein Rollrasen kann aber sofort betreten werden. Ob die Pestizide dann von spielenden Kindern aufgenommen werden können, hat noch niemand getestet. Man sollte den Hersteller auch fragen, ob das „Umweltschicksal“ der Chemikalien bestimmt wurde. Ob sie zum Beispiel aus der Grassode ausgewaschen werden und ins Grundwasser gelangen können.

Keine kleingärtnerische Nutzung
Die Raseneinöde ist eine Monokultur, in der nur wenige Insekten leben können. In Zeiten des Artensterbens und des Rückgangs der Menge an Insekten, ob nützlich oder schädlich, ist eine solche Einöde nicht angezeigt. Sommerblüten und Kräuter werden aber in der kleingärtnerischen Nutzung für Nützlinge gefordert. Und seien wir ehrlich: Eine große Rasenfläche, auf der sich ein Rollrasen „lohnen“ würde, deutet doch auf zu wenig Obst- und Gemüseanbau auf der Parzelle hin.


Regionaler Anbau
Da Rollrasen transportempfindlich ist, kann er nur schwer durch ganz Deutschland transportiert werden und stammt daher meist aus dem regionalen Umfeld. Rasenschulen stehen daher in Konkurrenz zu regionalem Anbau von Obst und Gemüse in Bezug auf Flächen und Wasserverbrauch. Besonders im Klimawandel sind sie ökologisch so wertlos wie ein Golfplatz.


Fragwürdiger Kreislauf
Ist der Rollrasen erstmal verlegt, braucht er viel Wasser und Nährstoffe, damit sich die Wurzeln entwickeln und dieser auch richtig anwächst. Auch danach benötigt er viel Wasser, schließlich soll er ja schön grün bleiben. Darüber hinaus ist der Anschaffungspreis von 3–10 Euro pro Quadratmeter nicht gerade ein Schnäppchen.

Gemäß dem fragwürdigen Grundsatz „viel hilft viel“ werden die Flächen in den Folgejahren häufig überdüngt, was den Rasen aber anfälliger für Krankheiten macht. Dies verführt wiederum zum Einsatz von zu viel mineralischem Dünger, der womöglich auch noch zusätzlich Unkraut- und Moosvernichter beinhaltet. Und hier schließt sich wieder der Kreis, alle diese Stoffe gefährden nicht nur Mensch und Tier, sondern auch Boden und Wasser nachhaltig.

In der Regel reicht bei sachgerechtem Umgang ein organischer Dünger, der dann im Herbst ausgebracht wird. Noch besser wäre es, mit einer Bodenprobe in den Fachhandel seines Vertrauens zu gehen und eine Bodenanalyse vornehmen zu lassen. So kann gezielt der Bedarf an Nährstoffen für den Rasen ermittelt werden.

Fazit: Das Verlegen von Rollrasen dient nicht der kleingärtnerischen Nutzung. Das Produkt schließt eine umweltfreundliche Produktion aus. Wir als Kleingärtner sollten als gutes Vorbild vorangehen und auf Gifte, Unkrautvernichtungsmittel (im Kleingarten ohnehin schon verboten) und künstlichen Dünger verzichten. Im Garten ist nachhaltiges Wirtschaften angesagt.


Einen gesunden Rasen erhalten und pflegen
1. Vermeiden Sie, den Rasen wiederholt zu düngen. Viel Dünger regt nur zum schnellen Wachstum an, was die Graspflanzen anfälliger für Krankheiten und Schädlinge macht. Einmal im Herbst zu düngen, ist genug.


2. Beginnen Sie damit, den Rasen mit der höchsten Einstellung des Rasenmähers zu mähen, ca.
8–10 cm hoch. Höheres Gras ist gesünderes Gras. Es beschattet Unkräuter und verhindert damit, dass diese austreiben. Es hält den Boden kühler, wodurch sich die Feuchtigkeit länger hält und die Ausbreitung von Mikroben in der Erde angeregt wird. Es ist wünschenswert, jede Menge förderliche Mikroorganismen in der Erde zu haben, weil sie Nährstoffe im Boden in eine Form umwandeln, die die Pflanzen aufnehmen können. All dies regt das Gras an, sich auch auf kahlen Stellen auszubreiten. Auch wird das Wurzelwachstum gefördert, sodass die Wurzeln des Grases den Boden tiefer durchdringen, was wiederum das Geheimnis der Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit ist.

3. Wenden Sie niemals Pestizide, Insektizide oder Fungizide an. Diese töten alle Lebewesen ab: die guten Mikroben, die nützlichen Kleinstlebewesen sowie die Regenwürmer, die den Boden auf natürliche Weise belüften. Folgen Sie den weiteren Schritten in dieser Anleitung, werden keine Chemikalien mehr benötigt, die alle nützlichen Lebewesen abtöten. Gesundes Gras hat große Blattflächen, einen langsameren Wuchs und tiefe Wurzeln. Belohnt werden Sie mit einem widerstandsfähigen Rasen, der Krankheiten oder Insektenschäden wenig oder gar nicht zum Opfer fällt.

4. Gras muss auch nicht während langer Trockenperioden gewässert werden. Zwar mögen die Halme braun werden, das Herz der Pflanze unter der Erde kann jedoch monatelang ruhen. Wenn Rasen allerdings den ganzen Sommer über grün bleiben soll, wässern Sie „tief“, jedoch nicht so häufig. Es ist besser, den Rasensprenger einmal pro Woche für ein bis zwei Stunden laufen zu lassen als täglich zehn Minuten lang. Sehen Sie es mal so: Wenn man die Wurzeln dazu anregen will, tief zu wachsen, muss man ihnen Feuchtigkeit bieten. Ist die Erde aber unterhalb der Wurzeln trocken, werden sie nicht da runter wollen. Und die Feuchtigkeit in der Tiefe wird wie in einem Kerzendocht ihren Weg nach oben finden, wenn der Boden an der Oberfläche mal trockener wird.

5. Düngen Sie einmal im Jahr im Herbst, in unseren Breiten im Oktober/November. Verwenden Sie keinen Dünger mit einem hohen Stickstoffgehalt. Die meisten angebotenen Rasendünger enthalten enorme Mengen an Stickstoff, die den Rasen schnell wachsen und dabei schwach werden lassen. Der Rasen wird schnell grün, aber eben auch anfällig.

6. Warum im Herbst düngen, wenn das Wachstum des Grases sich verlangsamt und für den Winter ganz zum Stillstand kommt? Es ist wegen der Wurzeln. Wenn die Luft kalt ist, wachsen die Grashalme langsamer und hören ganz auf zu wachsen, die Erde aber bleibt noch warm genug für das Wurzelwachstum. Lassen Sie diese Wurzeln sich im Herbst entwickeln und sie werden im nächsten Frühjahr und Sommer einen gesunden und grünen Rasen unterstützen.

7. Falls Sie sich trotzdem nach Dünger umschauen müssen, achten Sie auf die drei Zahlen, die die Anteile der Hauptbestandteile Stickstoff, Phosphor und Kalium angeben: Diese drei werden immer in der Reihenfolge Stickstoff-Phosphor-Kalium in Prozent angegeben. Demzufolge bedeutet die Angabe 10-6-4 auf der Packung, dass der Inhalt 10 % Stickstoff, 6 % Phosphor und 4 % Kalium hat. Der höchste Prozentsatz an Stickstoff, der enthalten sein sollte, ist 10 %. Dies ist vor allem im Herbst wichtig. Der beste Dünger für einen pflegeleichten Rasen ist organischer Dünger. In einigen Gegenden kann es nötig sein, dem Boden einmal im Jahr etwas Kalk hinzuzufügen.

Peter Beil

Stellv. Bezirksgartenfachberater Bezirksverband Spandau der Kleingärtner e. V. in Berlin


Foto: Pixabay

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