Totholz zählt zu den wertvollsten Lebensräumen der Natur. Wenn Sie Äste, Stämme oder Baumreste bewusst im Garten belassen, bieten Sie zahlreichen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten damit ein Habitat. Dabei unterstützen Sie gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit, den Klimaschutz und das natürliche Gleichgewicht im Garten.
Was genau ist Totholz?
Als Totholz bezeichnet man abgestorbene Bäume und Baumteile wie Wurzeln, Stümpfe oder Äste. Dazu zählen alle Stadien der Zersetzung – vom frisch abgestorbenen Ast am lebenden Baum bis hin zu nahezu vollständig zersetztem Holz.
Käfer bis Feuersalamander
Allein in Deutschland sind rund 1400 Käferarten auf Totholz angewiesen. Darüber hinaus bietet es zahlreichen Wildbienen, Pilzen, Flechten, Moosen, Vögeln und Fledermäusen sowie unzähligen Mikroorganismen einen Lebensraum. Viele Arten verbringen ihr gesamtes Leben oder wichtige Entwicklungsstadien im oder am Totholz.
Jede Zersetzungsphase bietet anderen Lebewesen einen Lebensraum. Frühe Besiedler, darunter verschiedene Bockkäfer und andere holzbewohnende Käferarten, bohren Gänge in das Holz und schaffen damit Zugänge für weitere Insekten, Pilze und Mikroorganismen. Die Insekten locken Fressfeinde wie Spechte an. Diese schlagen größere Höhlen in das Holz, in die später andere Vogelarten und mitunter auch Fledermäuse einziehen. Einige Wildbienenarten legen ihre Brut in verlassenen Käfergängen an.
Auch Zauneidechsen nutzen sonnige Stämme zum Aufwärmen. Feuersalamander schätzen dagegen das feuchte Mikroklima unter liegenden Stämmen. Erdkröten, Spitzmäuse, Igel, Siebenschläfer und viele andere Tiere suchen dort Nahrung und Schutz.
Totholz kann Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und speichern. An heißen Tagen trägt die langsame Verdunstung zu einem feuchten, kühlen Mikroklima bei. Zugleich bleibt ein Teil des im Holz enthaltenen Kohlenstoffs während der oft langwierigen Zersetzung gespeichert und wird teilweise in den Boden überführt. Damit leistet Totholz auch einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz im Garten. Nach und nach übernehmen Pilze, Bakterien, Asseln, Tausendfüßer und andere Bodenorganismen die weitere Zersetzung. Dabei entsteht Humus: Der Boden kann mehr Wasser speichern und wird zunehmend fruchtbarer.
Totholz im Kleingarten
Verschiedene Tiere benötigen unterschiedliche Holzarten und Stand-orte. Kombinieren Sie liegende, stehende und teilweise in den Boden eingelassene Stämme. Wenn Sie außerdem sonnige und schattige Plätze sowie dicke und dünne Äste und Zweige einbeziehen, schaffen Sie besonders vielfältige Lebensbedingungen.
Ökologisch besonders wertvoll sind heimische Laubbaumarten wie Eiche, Hainbuche, Buche, Ahorn und Linde sowie das Holz von Obstbäumen. Viele spezialisierte heimische Arten sind an diese Gehölze angepasst. Holz gebietsfremder Baumarten kann zwar ebenfalls besiedelt und zersetzt werden, ist für solche Spezialisten jedoch meist weniger wertvoll.
Stehendes Totholz, beispielsweise ein abgestorbener Obstbaum, gehört zu den wertvollsten Totholzstrukturen, weil es zahlreichen Tieren Lebensraum bietet. Selbst im Wurzelbereich finden zahlreiche Bodenorganismen Nahrung und Unterschlupf. Nebenbei sparen Sie sich das lästige Fräsen und schonen den Boden. Natürlich muss der Baum stabil stehen und darf niemanden gefährden. Die Krone kann bei Bedarf eingekürzt oder entfernt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Im Zweifelsfall sollte eine Fachkraft den Baum beurteilen.
Alternativ lässt sich ein Stammstück oder ein dicker Ast senkrecht in den Boden setzen. Möchten Sie zusätzliche Nistmöglichkeiten für Wildbienen schaffen, können Sie gut abgelagertes, entrindetes Hartholz mit unterschiedlich großen Bohrgängen versehen. Die Löcher sollten bevorzugt seitlich ins Längsholz gebohrt werden, sauber und splitterfrei sein und dürfen das Holz nicht vollständig durchdringen.




