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Verfasst am 07.05.2024 um 16:05 Uhr

Kinder müssen gärtnern dürfen!    

Als leidenschaftliche Kleingärtnerinnen und Kleingärtner werden Sie es sich kaum vorstellen können: Es gibt tatsächlich Kinder, die noch nie in einem Wald waren, nie Obst oder Gemüse selbst geerntet haben und beim Anblick von Insekten und Regenwürmern Ekel empfinden. Auch ihre Lehrkräfte oder Erzieher:innen verfügen nicht immer über Grunderfahrungen in der Natur- und Umweltbildung, reagieren auf Insekten ebenso mit einem „Iiihhhh!“ statt einem „Ooohhh“. Wohin das alles führt? Der „Jugendreport Natur“ spricht seit Jahrzehnten von der steigenden Naturentfremdung einer zunehmend verhäuslichten und medienbegeisterten Generation mit schwindendem Wissen über Pflanzen- und Tierarten und elementare natürliche Zusammenhänge. Prägende Naturerlebnisse in Wald und Feld, Wiese und Garten bleiben immer mehr auf der Strecke. In Zeiten des Klimawandels, Artensterbens und Verlusts von Lebensräumen ist das eine denkbar schlechte Ausgangslage. Denn nur wer die Natur kennt, wird sie schützen, sagte schon Heinz Sielmann.


Doch es gibt Hoffnung, auch in einer Millionenmetropole wie Berlin. Jeder Stadtbezirk der Hauptstadt – und das ist einzigartig in Deutschland – ist per Schulgesetz verpflichtet, grüne Bildungsoasen zu unterhalten: die Berliner Gartenarbeitsschulen oder, wenn es sich um einen Zusammenschluss mehrerer Standorte handelt, die Schul-Umwelt-Zentren. Hier lernen jährlich mehr als 180.000 Kinder und Jugendliche mit ihrem Kopf und vor allem mit ihren Händen, dass Mais nicht in Büchsen wächst und Kartoffeln nicht an Bäumen. Sie staunen über die Geschmacksexplosion einer sonnengereiften Tomate, die sie vielleicht zum ersten Mal direkt vom Strauch genießen können. Am Bienenstock mit einer geschlüpften Biene auf der Hand oder in der Wiese mit Becherlupen liegend, begreifen sie Insekten als unverzichtbare Bestandteile von Ökosystemen.


Die Angebotsvielfalt der Berliner Gartenarbeitsschulen und Schul-Umwelt-Zentren ist so bunt wie ihre wunderschönen Gärten. Für die Qualität der fächerübergreifenden Angebote entsprechend der Rahmenlehrpläne, der Berliner Biodiversitätsstrategie und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung arbeiten Lehrkräfte und Gärtner:innen Hand in Hand. Mögen diese grünen Bildungsoasen, die in Berlin auf eine zum Teil über 100-jährige Geschichte zurückblicken, in ihrer pädagogischen Qualität gestärkt werden, damit ihre vielfältigen Angebote im Garten wachsen und sich ihr Wissen über den Gartenzaun hinaus entfaltet. So können diese staatlichen Einrichtungen zu einer tragenden Säule der Berliner Natur- und Umweltbildung werden.


Dr. Juliane Orsenne, Pädagogische Leiterin Schul-Umwelt-Zentrum Berlin Mitte (SUZ Mitte)


Dieser Textbeitrag ist als Editorial der Mai-Ausgabe 2024 der Verbandszeitschrift Berliner Gartenfreund erschienen.

Foto: Pixabay